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Übermittelt von: Admin   Datum: 07-06-2014 12:07
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Die "Hallenser Erklärung" „Kinder haben ein Recht auf BNE !“ - BNE im 21. Jahrhundert sollte auf der Vorkonferenz als offizieller Beitrag für den Primar- und Elementarbereich zur Nationalen Konferenz zum Abschluss der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung" am 27.-28.06.2014 in Halle a. d. Saale verabschiedet werden. Die Konferenz sollte Gespräche, elf Workshops, einen Bildungsparcours und die Verabschiedung der Hallenser Erklärung umfassen. Leider musste die Konferenz mangels Beteiligung abgesagt werden. Die Erklärung wurde dann vom BNE Bundesarbeitskreis Grundschule verabschiedet.

==> "Hallenser Erklärung":

„Kinder haben ein Recht auf BNE !“ - Bildung für nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert

Wir, die Mitglieder des BNE Bundesarbeitskreises Grundschule verabschiedeten am 27.06.2014 in Halle (Saale) die folgende Erklärung:

Im 21. Jahrhundert stehen wir immer noch vor grundlegenden und komplexen Herausforderungen und Problemen. Der demographische Wandel, die unzureichende Ernährungssicherung, der Klimawandel und die Energiewende sind nur einige Beispiele. Ihre Lösung erfordert von uns neues Denken, Wissen und Handeln für die Zukunft. Nur so können Veränderungsprozesse gestaltet und eine nachhaltige Entwicklung erreicht werden.

Bereits die Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (1992) mit der Verabschiedung der „AGENDA 21“, wie auch der Weltgipfel in Johannesburg für nachhaltige Entwicklung (2002) und schließlich die Weltkonferenz Rio+20 (2012) mit ihrem Abschlussdokument „Die Zukunft, die wir wollen“ betonen die zentrale Bedeutung von Bildung.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist eine „unerlässliche Voraussetzung für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und für die Verbesserung der Fähigkeiten der Menschen, sich mit Umwelt- und Entwicklungsfragen auseinanderzusetzen“.

➢ BNE basiert auf einem ganzheitlichen Bildungsverständnis und beinhaltet die Förderung von Schlüsselkompetenzen sowie ganzheitlicher Lernformen.
➢ BNE gibt eine neue Richtung für das Lernen und die Bildung aller Menschen vor.
➢ BNE fördert qualitativ hochwertige und verantwortungsvolle Bildung, bei der Partizipation und Mitgestaltung eine zentrale Bedeutung haben.
➢ BNE betont kreative und kritische Ansätze, langfristiges Denken, Innovation, Problembewusstsein und Handlungsfähigkeit.
➢ BNE beruht auf Prinzipien, die eine nachhaltige Lebensweise, Demokratie, menschliches Wohlergehen und Lebensqualität unterstützen.

Die Bildungsprogramme BLK „21“ und „Transfer-21“ sowie die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014) haben zu einer strukturellen Verankerung von BNE in Deutschland beigetragen. Die Empfehlung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule“ der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) aus dem Jahr 2007 gab darüber hinaus konkrete Handlungsempfehlungen zur Integration von BNE in der Schule. Der Bericht der KMK (2012) zur Umsetzung der UN-Dekade und Implementierung von BNE in den Ländern zeigt, dass BNE sehr unterschiedlich in den Ländern verankert ist, aber dennoch vielfach in die Lehr- bzw. Bildungsplänen Eingang gefunden hat. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass eine konsequente Integration von BNE in der Bildung noch fehlt und nach wie vor ein großer Handlungsbedarf bei der Lehrerausbildung und -fortbildung sowie in der Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern besteht.

Die Integration von BNE ist in der kindlichen Bildung von Bedeutung. Hier existieren vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten für die kindgerechte Bearbeitung von Themen der nachhaltigen Entwicklung sowie für die Entwicklung der Gestaltungskompetenz. Dementsprechend werden Kinder schon frühzeitig für Zukunftsfragen sensibilisiert und lernen Beteiligungsmöglichkeiten kennen. Diese zentrale Erkenntnis wurde bisher nicht aufgegriffen.

Was und wie müssen junge Menschen lernen, um die Zukunft im Sinne nachhaltiger Entwicklung gestalten zu können?
BNE ermöglicht es, Themen im Sinne der Nachhaltigkeit neu zu interpretieren, unter neuen Kriterien zu betrachten, mit innovativen Methoden zu behandeln und Gestaltungskompetenz zu vermitteln.
Die Themen
• betreffen eine zentrale lokale oder globale Problemlage und haben für die Lerngruppe Relevanz,
• sind von längerfristiger Bedeutung,
• führen zu einem breiten und differenzierten Wissen über das Thema,
• bieten Handlungsmöglichkeiten für die Betroffenen (Motivation, Partizipation, Engagement),
• sind durch die Einbindung von Kooperationspartnern authentisch und praxisorientiert.

„Kinder haben ein Recht auf Bildung für nachhaltige Entwicklung!“ (Prof. Dr. Gerhard de Haan)
Zu nachhaltiger Entwicklung gibt es keine Alternative!

Viel wurde in den vergangen Jahren getan, um BNE im gesamten Bildungssystem herauszustellen bzw. zu verankern. So konnte das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung auf vielen Ebenen geschärft werden. Dennoch muss es auch zukünftig darum gehen, die bisherigen Prozesse dauerhaft zu etablieren. Auch international wurde diese Notwendigkeit erkannt. Die Generalkonferenz der UNESCO hat dafür ein Weltaktionsprogramm vorgeschlagen, in dem fünf Prioritäten eine zentrale Rolle spielen, u. a. die Förderung lokaler Bildungslandschaften, die Verankerung von BNE in der gesamten Institution sowie die Stärkung der LehrerInnen und ErzieherInnen als MultiplikatorInnen. Auch die Vorträge, Workshops und Diskussionen im BNE Bundesarbeitskreis Grundschule haben deutlich gemacht, dass der Handlungsbedarf bei der Gestaltung der Übergänge vom Kindergarten zur Grundschule sowie im Kontext der Implementierung von BNE in den pädagogischen Einrichtungen weiterhin groß ist.

Wir, die Mitglieder des BNE Bundesarbeitskreises Grundschule, fordern deshalb die Entscheidungsträger, wie KMK, Träger der Bildungseinrichtungen usw. dazu auf:
1. Der Erwerb von Gestaltungskompetenz muss in der Grundschule über das Fach Sachunterricht hinaus in allen Fächern – fachübergreifend und fächerverbindend – und im gesamten Schulleben angebahnt werden.
2. Unser Ziel muss es sein, Kinder im Grundschulalter zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksichtigung globaler Aspekte, demokratischer Grundprinzipien und kultureller Vielfalt zu befähigen.
3. Bei der Gestaltung der Übergänge (aus dem Elementarbereich, zu den weiterführenden
Schulen) ist BNE unabdingbar.
4. BNE muss Bestandteil des Schulprogramms sein.
5. BNE muss dauerhaft und systematisch in den Bildungspläne verankert werden.
6. In allen Phasen der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften muss BNE implementiert werden.
7. Ausreichende personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen müssen zur Verfügung stehen.
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Anhang zur „Hallenser Erklärung“:

- www.bne-portal.de , das Fachportal für Bildung für nachhaltige Entwicklung.
- Empfehlung der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) vom 15.6.2007 zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule“ ( www.bne-portal.de > Hintergrundmaterial/ E ).
- Orientierungsrahmen für den Lernbereich ‚Globale Entwicklung’ im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hrsg. von der KMK und dem BMZ. Bonn 2007 ( www.bne-portal.de > Hintergrundmaterial/ O ).
- AG Lehrerbildung: BNE in der Lehrerbildung – Kompetenzerwerb für zukunftsorientiertes Lehrern und Lernen. Transfer 21, Berlin 2007.
- „Hochschulen für nachhaltige Entwicklung“. Erklärung der Hochschulrektorenkonferenz und der DUK. 2010.
- „Zukunftsfähigkeit im Kindergarten vermitteln“. DUK und AG Elementarbereich des Runden Tisches des deutschen Nationalkomitees für die UN-Dekade BNE. 2010.
- BNE Bundesarbeitskreis Grundschule: Zukunft gestalten lernen - Schulprogramm BNE. Ein Kaleidoskop anregender Beispiele für ein Schulprogramm Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Teil 5, Halle 2012.
- Positionspapier „Zukunftsstrategie BNE 2015+“. Hrsg. vom Deutschen Nationalkomitee für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. 2013.
- Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Zur Situation und zu Perspektiven der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Bericht der Kultusministerkonferenz vom 13.12.2012. Verfügbar unter: http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_12_13-Bericht-BNE-2012.pdf