Bergsträßer Erklärung BNE , Strategisches Ziel 21
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Übermittelt von: Admin   Datum: 21-02-2010 21:45
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    „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ in der Schule
    – Forderungen an die Schulpolitik der Hessischen Landesregierung –


    LehrerInnen, UmweltpädagogInnen und BNE-MultiplikatorInnen in Hessen betonen die Bedeutung, Notwendigkeit und Aktualität der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und die damit verbundenen Herausforderungen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft.
    „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ist als eine ganzheitliche, interdisziplinäre Vision von Bildung und Erziehung, die zum Ziel hat, Wissen und Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln, um die Zukunft unserer Erde verantwortungsvoll gestalten zu können. Das bedeutet insbesondere, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, aktiv an der Gestaltung einer ökologisch verträglichen, ökonomisch leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksichtigung globaler Aspekte, demokratischer Grundprinzipien und kultureller Vielfalt mitzuwirken.

    Diese Ziele wurden erstmals auf der Weltkonferenz der UN in Rio de Janeiro 1992 in der Agenda 21 im Kap. 36 formuliert. Als wichtige Unterstützung hat die UN-Generalversammlung im Dezember 2002 die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für die Jahre 2005 bis 2014 ausgerufen und alle Mitgliedsstaaten aufgefordert, Bildungsaktivitäten zu entwickeln, die die Lebens- und Überlebensbedingungen für die jetzt lebenden und für die zukünftigen Generationen sichern.

    Der Bund und die Länder haben entsprechend diesem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung verschiedene Nachhaltigkeitsstrategien beschlossen. In Hessen begann 1995 mit dem Programm „Ökologisch orientierte Schulen“. 1999 startete die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (eine Institution, die inzwischen dem Föderalismus zum Opfer gefallen ist) das Programm „BLK 21 – Bildung für nachhaltige Entwicklung“, das Unterrichtskonzepte und innovative Umsetzungsstrukturen unter den drei Aspekten ‚Interdisziplinäres Wissen’, ‚Partizipative Lernformen’ und ‚Innovative Strukturen’ entwickelte.
    Daran schloss sich das (BLK)-Programm „Transfer 21“ bis 2008 an, das die vielfältigen erfolgreichen praktischen Erfahrungen der an dem vorangegangenen Programm beteiligten Schulen aus allen Schulstufen weitergeben wollte. Dazu bezog es auch die Grundschulen und Ganztagsschulen ein, baute Beratungs- und Unterstützungsstrukturen auf und bildete Multiplikatoren aus (siehe: www.transfer-21.de).

    Prof. Dr. Gerhard de Haan, Arbeitsbereich Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin, hat in diesem Rahmen das Konzept der Gestaltungskompetenz erarbeitet und als international anschlussfähig entwickelt. Mit Gestaltungskompetenz bezeichnet er die Fähigkeit, Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung zu erkennen und Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden zu können. Das bedeutet: aus Gegenwartsanalysen und Zukunftsstudien Schlussfolgerungen über ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen ziehen und Entscheidungen treffen, verstehen und umsetzen zu können, mit denen sich nachhaltige Entwicklungsprozesse verwirklichen lassen.

    Die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland (KMK) hat zusammen mit der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) am 15. Juni 2007 eine
    achtseitige Empfehlung zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule“ ausgesprochen. Als Hinweise zur Umsetzung von BNE werden darin aufgeführt (S. 4):

      - Thematisierung in möglichst vielen Fächern,
      - Thematisierung in fachübergreifenden und fächerverbindenden Organisationsformen,
      - Thematisierung als wichtiges Anliegen des Schullebens,
      - im Primarbereich die hervorragende Eignung des interdisziplinär angelegten Fachs
      Sachunterricht für die Vermittlung von BNE-Themen,
      - im Sekundarbereich eine anzustrebende verstärkte Integration von BNE-Themen in den
      jeweiligen Fächern; dabei komme es darauf an, die Vielzahl unterschiedlicher Einzelvorhaben
      curricular zu strukturieren und an Kompetenzen und Standards zu orientieren.


    Hessen hat sich mit Kabinettsbeschluss im Dezember 2005 verpflichtet, die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ aktiv und ressortübergreifend unter Federführung des Hessischen Kultusministeriums umzusetzen.

    Doch leider ist in Hessen von „verstärkten Anstrengungen“ bei der praktischen Umsetzung in allen Bereichen der schulischen Bildung kaum etwas zu spüren. Der politische Wille zur strukturellen Verankerung fehlt. Qualifizierte Lehrkräfte, Beispiele und Instrumente der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ sind vorhanden; es existieren viele Aktivitäten, jedoch meist als vereinzelte Maßnahmen. Die Projekte „Schule & Gesundheit“, „Hessen nachhaltig“ sowie „Umweltschule“ sind nur bedingt geeignet, die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu verankern.

    Deshalb ist die Realisierung folgender FORDERUNGEN notwendig:

    Das Hessische Kultusministerium

      - setzt sich für die unverzügliche Umsetzung der KMK/DUK-„Empfehlung zur BNE in der Schule“ ein,
      - fördert die Entwicklung von konkreten Unterrichtsbeispielen und -modellen, die wissenschaftliche Begleitung und die Veröffentlichung der Ergebnisse,
      - stellt ausreichend personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen zur Verfügung,
      - macht BNE zum verpflichtenden Bestandteil in der Ausbildung der hessischen Lehrerinnen und Lehrer,
      - bietet ausreichend Fortbildung und Weiterbildung zur BNE an,
      - setzt sich dafür ein, dass BNE in den Schulprogrammen verankert wird,
      - setzt sich dafür ein, dass für das Gesamtzertifikat im Projekt „Schule&Gesundheit“ die Berücksichtigung von BNE unerlässlich ist,
      - honoriert besondere Aktivitäten von Schulen im Bereich der BNE,
      - erstattet regelmäßig Bericht über Aktivitäten zur Umsetzung und Verankerung der BNE in der Schule,
      - richtet eine zentrale „ARBEITSSTELLE Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ ein,
      - sichert die Umsetzung eines neuen Strategischen Ziels „21 - BNE“.


    Die „Bergsträßer Erklärung zur BNE in der Schule“ verfolgt die gleiche Zielsetzung wie die „Kasseler Erklärung zur Bedeutung Globalen Lernens“ des EPN Hessen.

    Eine Initiative aus dem „Südhessentreffen“ von BNE-MultiplikatorInnen in Frankfurt/Main am 2.12.2009

    - Team BNE-Bergstraße: Angelika Klammt und Dr. Hermann Schnorbach -

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Strategisches Ziel „21 – BNE“


30 % der 15-jährigen in Deutschland sind nicht in der Lage, zumindest eine der Quellen für sauren Regen zu benennen.
40 % sehen sich nicht in der Lage, zu komplexeren Umweltproblemen wie den Anstieg von Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre zumindest allgemeine Erklärungen abzugeben.
35 – 40 % verfügen über keine Kompetenzen zu Problemlösungen im Sinne der Nachhaltigkeit.

Diese alarmierenden Befunde der OECD-Studie “Green at Fifteen” beruhen auf der PISA-Erhebung zu Naturwissenschaften und Umweltschutz von 2006.

Das veranlasste Pädagogen*, Wissenschaftler* und Bildungspolitiker* in Hessen, ein neues Strategisches Ziel zu formulieren, das ähnlich wie die vier vorausgegangen auf einen breiteren Erfolg und eine nachhaltige Leistungsverbesserung zielt:

Ø --- Das Strategische Ziel „21 – Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ soll innerhalb der nächsten vier Jahre, bis 2014, dem Ende der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, den Anteil der 15-jährigen, die keine Kenntnisse über Umweltthemen und -zusammenhänge haben und über keine Kompetenzen zu Problemlösungen im Sinne der Nachhaltigkeit verfügen, um 50 % zu verringern.

Der Lernort Schule ist von zentraler Bedeutung für nachhaltige Entwicklung.
Lehrkräfte sollen durch verstärkte Unterstützungsangebote dazu angeregt werden, Themen der nachhaltigen Entwicklung in ihren Unterricht zu integrieren. Die zentrale „Arbeitsstelle BNE“ im Hessischen Kultusministerium nimmt mit dem Projekt „Schule & Gesundheit“ und seiner Teilsupportgruppe „Umweltbildung & Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ sowie mit dem Projekt „100 Schulen für den Klimaschutz“ im Rahmen der „Nachhaltigkeitsstrategie Hessen“ für alle Schulstufen diese Aufgaben wahr.

Heppenheim/Bergstraße, 27.1.2010